Web Design


INFORMATIONEN ZU HOMOEOPATHY UND NATURHEILKUNDE
und
naturheilkundlich unterstützender Krebstherapie

von Dr. med. Johann Josef Kleber

 

 

Allgemeine Bemerkungen, zur Kombination von Mikronährstoffen mit anderen Naturheilverfahren und Begründung der zusätzlichen Einnahme von Mikronährstoffen siehe orthomolekulare Medizin, tabellarische Übersichten siehe unter Vitamine.

 

etwas gekürzt aus Kleber JJ: Naturheilkundliche Krebstherapie Kai Kröger Verlag

VITAMIN D
von JJ Kleber

DOSIERUNG: offiziell empfohlene tägl. Mindestaufnahme ist nach neuen Erkenntnissen sicher zu gering [70,72,73]; bisherige Empfehlungen im 1. LJ 10 µg/d, vom 2. - 65. LJ 5 µg/d,  jenseits des 65. LJs wieder 10 µg/d (Dach-Referenzwerte) [10]; in den USA für Säuglinge bis zum 50. LJ 5 µg = 200 IE täglich; jenseits des 50. LJs werden 10-15 µg/d empfohlen [13].

OPTIMALE SUBSTITUTIONSDOSIS: 20-30-(50) µg/d = 800-1200-(2000) IE/d [72,73,75].
In USA als maximale Substitutionsdosis ohne Nebenwirkungen ab dem 1. LJ 50 µg/d = 2000 IE festgelegt [13];
Bei manifester Rachitis/ Osteomalzie: 800-1200-2000 IE/d oder 20.000 IE pro Wochen; niederere Dosis bei Sarkoidose, Morbus Boek [72,73]
neue Methoden von individueller Dosierung berücksichtigen die 25-Hydroxy-Vitamin D3- Serum- Konzentration siehe unter NACHWEIS

TOXIZITÄT: Eine akut toxische Dosis ist nicht bekannt. Einzeldosen von 200.000 bis 600.000 IE bei Kindern als „Stoßprophylaxe“ wurden gut vertragen [37].
Chron. Einnahme bis 100 µg / d ist ohne Risiko [4]. Bei über 4000 IE  / Tag =  > 100 µg/d, kam es zu Überdosierungszeichen mit Hyperkalzämie und Hypophospatämie  [37];
gefährliche 25-Hydroxy-Vitamin D3- Serum-Konzentration > 175 nmol/l [70]; neuere Erkenntnisse halten Überdosierungen mit Vit. D3 (Vorstufe zu Wirkhormon 1,25-Dihydroxycholecalciferol) nur bei Patienten mit Sarkoidose für möglich [72,73].

Symptome der Hyperkalzämie: Übermässige Ausscheidung von Kalzium im Urin mit der Gefahr der Bildung von Nierensteinen; bei noch stärkerer Hypercalcämie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Pankreatitis, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerz, Gewichtsabnahme, Schwitzen. Später kommt es zu Nierenschädigung mit Durst, Polyurie, Albuminurie. [27]

INDIKATIONEN: Bei Krebs besitzt Vitamin D eine direkte antikanzerogene Wirkung durch Regulation der Transkription (es konnte eine Förderung der Zelldifferenzierung bei Mamma-, Prostata- und Darm-Ca festgestellt werden), und indirekte antikanzerogene Wirkung durch seine wichtige Stellung im Immunsystem [4]. Deshalb besteht bei einer genetischen Variante im Vitamin D-Rezeptor-Gen (Vitamin-D-Rezeptor-SNIP-b/B) eine erhöhte Karzinomgefährdung (hier wird eine Vitamin-D-Substitution (400)-800 IE pro Tag empfohlen. Die eingenommene Kalzium-Dosis sollte ca. 1g pro Tag betragen.) [23].
Klassische schulmedizinische Indikationen für Vitamin D sind Rachitis, Osteomalzie, Osteoporose-Prophylaxe im Alter und nach der Menopause, wobei inzwischen die krebsprotektive Wirkung und die Verbesserung der neuromuskulären Koordination durch Vitamin D auch schulmedizinisch anerkannt werden [72,73].
Absolut zwingend ist eine Vitamin-D-Prophylaxe, eventuell mit Serum-Konzentration- Kontrolle, bei allen Resorptionsstörungen (zu geringe Magensäure, Gallestau, Sprue, entzündlichen Darmerkrankungen, evtl. nötige Dosis 50-2000 µg/d), bei Kalziumverlust durch Niereninsuffizienz, bei Vitamin D-Abbau stimulierender Medikation (Barbiturate, Primidon), und bei Glucocorticoid-Therapie (Vitamin-D besitzt antagonistische Wirkung am Knochen zu Cortison) [18].
Wegen der neuen Erkenntnisse zum Vitamin-D-Einfluss auf das Immunsystem sollte auch bei allen Autoimmunerkrankungen, Allergien, und wegen der Hormon- und Hautwirkungen auch bei Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und Hauterkrankungen (v.a. Psoriasis) auf ausreichende Vitamin-D-Substitution geachtet werden. Außerdem wurden negative Auswirkung von Vitamin D3 - Mangel auf das Herz-Kreislauf-Systhem und auf muskuläre Funktionsstörungen gefunden [70].

VITAMIN D-MANGEL: In Deutschland ist wegen des geringen Fischkonsums (sind Haupt-Vitamin-D-Nahrungsträger) die Bevölkerung ohne Substitution stark Vitamin-D unterversorgt. Bei manifestem Mangel entsteht Rachitis beim Kind oder Osteomalazie beim Erwachsenen mit niedrigem Serum-Kalzium und Serum-Phosphat und einer Erhöhung der alkalischen Phosphatase. Störungen im Immunsystem, der Muskelfunktion und im Herz-Kreislauf-System [70,72,73].

WIRKUNG: 1,25-Dihydroxycholecalciferol reguliert nach Bindung an einen Vitamin D-Rezeptor die Transkription verschiedener Gene (Gene des Kalzium- und Phosphat-Stoffwechsels; Vitamin D-Rezeptoren befinden sich auch an Pankreas-Inselzellen, verschiedenen lymphozytären Zellen und Keratinozyten der Haut). Nach Genaktivierung kommt es zu einer Steigerung der Kalzium-Resorption aus dem Darm, zu einer erhöhten Kalzium-Rückresorption in der Niere, zu einer gesteigerten Osteoklastenaktivität, die wiederum einen Skelettwachstumsfaktor freisetzt, der Osteoblasten fördert und so zu verstärktem Knochenaufbau führt [4, 16].
Außerdem hat Vitamin D eine antikanzerogene Wirkung durch Förderung der Zelldifferenzierung und ist wichtig für die Sekretion von Insulin, Thyroxin und Parathormon, für die Differenzierung, Proliferation und Immunfunktion von Lymphozyten (auch für die Hemmung autoaggressiver T-Lymphozyten), Monozyten, Makrophagen; Vitamin D hemmt die Sekretion von IL-2, stimuliert und reguliert das Wachstums von Keratinozyten. Die Funktion von Vitamin D-Rezeptoren an weiteren Geweben (auch im ZNS) ist noch unklar. [4, 23].

STOFFWECHSEL:Vitamin D wird aus der Nahrung wird im Dünndarm als fettlösliches Vitamin resorbiert (schlechte Vit.D-Versorgung bei Fettresorptionsstörung). Der Großteil des benötigten Vitamin D3 (= Cholecalciferol = Calciol) wird aber unter UV-Licht- Einwirkung (Wellenlängen 280-310 nm) in der Haut aus 7-Dehydrocholesterol synthetisiert; 7-Dehydrocholesterol wird in der Darmschleimhaut und Leber aus Cholesterol gebildet. Diese 7-Dehydrocholesterol wird in der Leber zu 25-Hydroxy- Cholecalciferol oxidiert und dann in der Niere zum wirksamen 1, 25-Di-Hydroxy- Cholecalciferol – der für die meisten Reaktionen verantwortliche Vitamin-D-Metabolit. Da all diese Syntheseraten (aus dem Vitamin D3 wird das “Hormon” 1,25-Dihydroxycholecalciferol) umgekehrt abhängig sind von der Cholecalciferol-Serum- Konzentration , sind hohe Vitamin-D3-Gaben und dadurch hohe Vitamin-D3- (Cholecalciferol) -Serumkonzentrationen in normalen Grenzen nicht  schädlich; bei hohen Vitamin-D3-Konzentrationen wird die Syntheserate des stoffwechselwirksamen 1, 25-Di- Hydroxy- Cholecalciferol herabgestezt.
Zur Ausscheidung des Metaboliten kommt es hauptsächlich über die Galle.
Halbwerts-Zeit Vit. D3 (Cholecalziferol) 4,5 Tage, 25-OH-Cholecalciferol 31 Tage [4]. Bei schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz sind diese Umwandlungen gestört und es wird trotz ausreichend vorhandenem Vitamin D3 zu wenig des im Körper benötigtem aktiven 1,25-Dihydroxycholecalciferol (Calcitriol)  hergestellt. In diesen seltenen Fällen muss anstatt Vitamin D3 Calcitriol zugeführt werden [70].

VORKOMMEN: Vitamin D ist ein Oberbegriff für biologisch aktive Steroid-Vitamine bestimmter Struktur (Seco-Steroide), wenn diese als Vorstufe für das hormonartig wirkende 1,25-Di-Hydroxy-Cholecalciferol (Calcitriol) dienen.
Die medizinisch wichtigsten D-Vitamine sind
D2 = Ergocalciferol = Calciferol,
D3 = Cholecalciferol = Colecalciferol = Calciol
7-Dehydro-Cholesterol und Ergosterol. [4]

Ausreichend hohe Vitamin-D3-Konzentrationen finden sich nur im Fisch
pro 100g Lebensmittel sind in Hering 1018 IE, Aal 800 IE, Sardine 430 IE, Ei 117 IE, Hartkäse 92 IE, Butter 49 IE [72].

NACHWEIS: Neue Untersuchungen [71] fordern für optimale Vitamin-D3 Versorgung eine
25-(OH) -Vitamin-D3 Serum-Konzentration  von > 30 ng/ml oder > 75 nmol/l [70,71,72,75]
   Vit-D3-Konz. von mindestens 20-29 ng/ml  = 50 nmol/l werden als ausreichend angesehen [75]

Die Berechnung einer optimalen Vitamin D3 Dosis [70] ist wegen geringer Gefahr der Überdosierung wohl nur bei Patienten mit Resorptionsstörungen und sehr hohen Substitutiosdosen (> 100 µg/d) sinnvoll:
100 nMol/l - gemessene D3-Serum-Konz x 40 x Kg KG / 70 [70]
bei Substitution nach dieser Formel ist nach 6-8 Wochen erneute Messung der 25-OH-Cholecalciferol-Serum-Konzentration nötig.

LITERATUR: siehe Literatur orthomolekulare Medizin

[75] Karsten M: Vitamin D3 Substitution: Bewusster Umgang gefordert; Deutsches Ärzteblatt Jg 109 Heft 6 10. feb. 2012